"Die Summe der Kleinigkeiten machen das Leben aus." Charles Dickens

"Für die Lebensqualität von entscheidener Bedeutung, ist das Erfahren einer Summe vieler, kleiner, positiver Momente. Dies trifft im besonderen auf Menschen mit Demenz zu. Diese guten Erfahrungen verankern sich im emotionalen Erinnern."

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Aber diese Zitate treffen nicht nur auf Menschen mit Demenz zu:

"DEPRESSION" von Aurora Mazzoldi

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Altersdepression, Begrifflichkeiten, Häufigkeit, begünstigende Faktoren, Literaturempfehlungen

Altersdepression

   (Begrifflichkeiten, Häufigkeit, begünstigende Faktoren )                                                                                          
Hauptcharakteristikum einer depressiven Episode ist eine depressive Verstimmung, einhergehend mit dem Verlust von Interesse und Freude. Veränderungen in der Psychomotorik zeigen sich entweder in Form einer Antriebshemmung oder in einer ängstlichen Agitiertheit sowie einem reduzierten Energieniveau. Neben verschiedenen körperlichen Funktionsbeeinträchtigungen wie z. B. Schlafstörungen und Appetitlosigkeit prägen Gefühle der Wertlosigkeit oder Schuld, Konzentrationsstörungen sowie Suizidgedanken das klinische Bild.
Beim Auftreten mehrerer Krankheitsphasen wird von einer rezidivierenden depressiven Störung (?unipolare Depression?) gesprochen. Weitere Charakterisierungen umfassen den die Ausprägung des Schweregrades, das Vorhandensein ?somatisch-melancholisch-endogener Symptome?, psychotische Merkmale und den Remissionsgrad.? 
Definition nach Klaus Dörner in ?Irren ist menschlich? 1999
Der Depressive ist ganz allgemein ?der sich und andere niederschlagende Mensch?.
Wesentliche Ursache für die Entstehung einer Depression ist für ihn eine depressionsfreundliche Lebenswelt der Erwachsenen.
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Im Gegensatz zu Depressionsformen in jüngeren Lebensjahren, steht nicht unbedingt im depressiv veränderte Stimmung mit Schuldgefühlen im Vordergrund.   Alte Menschen mit Depressionen beschäftigen sich klagend und anklagend mit den Beschwerden im Hier und Jetzt. Zukunft wird nicht mehr gesehen und Vergangenheit ist kaum noch Thema. Körperliche Beschwerden, speziell bezüglich der Ausscheidungen sind Haupthemen. Zwei Drittel der Betroffenen äußern hypochondrische Befürchtungen. Bei einem Viertel der Altersdepressiven trifft man auf Verarmungsideen. Die Angst wächst, auch nicht ganz unberechtigt,   das eigene Leben nicht mehr finanzieren zu können. Eine Sorge, die heute schon jüngere Menschen bezüglich des eigenen Alters mit immer größerem Druck belastet. Angst vor Abhängigkeit, Verlust der Selbstbestimmung und wachsende Hilflosigkeit prägen die Befindlichkeit. Die Grundstimmung ist grau pessimistisch gefärbt. Leichtere Formen der Altersdepression sind geprägt durch  permanentes Hadern mit der eigenen Lebenssituation und der Vorwurfshaltung  den Menschen im Umfeld gegenüber, von unterschwelliger, nicht offensichtlich nach außen gerichteter Wut.
Unter Altersdepression wird jede Depression bezeichnet, die erstmals nach dem 65. Lebensjahr auftritt. Gewöhnlich handelt es sich um psychogene Depressionen oder um körperlich begründbare, depressive Manifestationen, wie z. B. Arteriosklerose, eine Demenzerkrankung, rheumatische, neurologische Erkrankungen, Herzinsuffizienz, Tumore ?
Nach statischen Erhebungen nehmen die Lebenserwartungen und parallel dazu die Häufigkeit der Altersdepressionen in den meisten Ländern der Welt zu.
Häufigkeit:
Nach der WHO: betrifft die Anzahl der an einer Depression erkrankten Menschen 10,4 % der Weltbevölkerung. Pro Jahr kommen auf 100 Personen zwei Neuerkrankungen hinzu.
Geschlechterverteilung:
-Männer: 7-12 %
-Frauen: 20-25 %
Erstmanifestation einer Depression (durchschnittlich):
-meist zwischen 30. Und 40. Lebensjahr        
-aber auch bei Kindern und Jugendlichen
-zweiter Gipfel bei Personen über 65 Jahre (late-onset depression)
Altersdepressionen betreffen 15-25 % (vor 10 Jhr. Waren es noch 10-12 %) der über Fünfundsechzigjährigen. Die aufkommende Rate Depressiver in Altersheimen liegt bei 26-40 %. Die Dispostion, an einer Depression zu erkranken steigt mit zunehmendem Alter eindeutig.
Depressionen bei körperlichen Erkrankungen:
(Komorbidität = Vorhandensein mehrerer Krankheiten gleichzeitig)
-Diabetes melitus 10 %
-Herzinfarkt: 20 %
-Parkinson: 30-50%
-Epilepsie: 20-30%
-Schlaganfall: 25-35 %
-Karzinompatienten: 25-40 %
Begünstigende Faktoren:
 
 
1. Abnahme und Verlust der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit, sowie die ständige Angst, körperlich zu erkranken oder durch Gedächtnisstörungen geistig desorientiert zu werden und damit anderen zur Last zu fallen und als letzte Konsequenz in einem Heim untergebracht zu werden, Angst vor Verlust der Autonomie und Selbstbestimmung. Infolge dieser Erwartungsängste neigen ältere Menschen zu vermehrter Selbstbeobachtung und entdecken so eine Vielzahl vegetativer und psychopathologischer Symptome, die hypochondrischen Befürchtungen Tür und Tor öffnen.
2. Vereinsamung, Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen und Selbstisolierung. Dem Vereinsamten fehlen echte mitmenschliche Kontakte und Aussprachemöglichkeiten. Dadurch kommt es zum Aufstau von bedrückenden, unlustbetonten und aggressiven Gefühlen, die Misstrauen und mürrisch reizbare Stimmung auslösen. Es ist niemand da, der die eigene Sicht der Welt relativieren könnte. Auf diese Verstimmung reagieren die Betroffenen unentwegt mit Jammern und Klagen. So geraten sie, da Nachbarn und Bekannte ihnen möglichst aus dem weg gehen, immer mehr in Selbstisolation und der Teufelskreis der Einsamkeit dreht sich immer weiter. (Self-fullfilling-prophecy)
3. Inaktivität nach Pensionierung, Rückzug aus dem Erwerbsleben, Pflichtleere, Fehlen von Aufgaben und Hobbies. Die plötzliche Leere und Untätigkeit kann unter Umständen zu einem schnellen körperlichen und seelischen Verfall mit erhöhter Neigung zur Depression als Folge haben. Die Stimmung eines Menschen ist eng gekoppelt an sein Aktivsein. Das Selbstwertgefühl geht rasch verloren, wenn keine Aufgabe, verbunden mit entsprechender Leistung und sich zeigenden Erfolgen die Person fordert. ?Wer rastet, der rostet?.
4. Verlust der gewohnten Umgebung durch Heimaufnahme, Umzug in eine kleinere Wohnung, oder überhaupt in ein neues Lebensumfeld. Aus Ängsten vor diesen Verlusten oder real damit verbundene Ängste können Schlaflosigkeit, Grübeln und depressive Entwicklung verursachen. Der Umzug hat mitunter auch symbolische Bedeutung: ?sich ausgeschlossen, abgeschoben ?? fühlen.
Literaturempfehlungen:
 
Bücher
  1. Piet C. Kuiper: Seelenfinsternis. Die Depression eines Psychiaters. Geist und Psyche. Fischer-Verlag
  2. Holger Reiners: Das heimatlose Ich. Aus der Depression zurück ins Leben.Kösel-Verlag
  3. Daniel Hell: Welchen Sinn macht Depression? Ein integrativer Ansatz.Rowohlt-Verlag
  4. Paulo Coelho: Veronika beschließt zu sterben. Diogenes-Verlag
  5. Andrew Solomon: Saturns Schatten - Die dunklen Seiten der Depression. Fischer-Verlag
  6. Thomas Köhler: Biologische Grundlagen psychischer Störungen. 2. überarbeitete Auflage. HOGREFE-Verlag
  7. H. Förstl, M. Hautzinger, G. Roth (Hrsg.): Neurobiologie psychischer Störungen. 2006 Springer-Verlag ---------------------------------------------------------------------------------- Barbara Schweiger, 25.10.2008